Sabrina Bosshard – Feurige Gefahr

bleiwiis 2013 – 1. Preis & Publikumspreis Kat. 1

Sam rannte so schnell wie ihn seine Beine nur tragen konnten. Das Blut rauschte ihm in den Ohren und er nahm nichts mehr wahr. Er war ganz darauf konzentriert, sich in Sicherheit zu bringen. Ein Schrei erklang, aber Sam bemerkte ihn nicht. Der Schweiss trat ihm auf die Stirn. Er wusste, wenn er jetzt nicht schnell genug rannte, war alles vorbei und er würde weder seine Freunde noch seine Familie je wieder sehen. Entsetzt musste Sam feststellen, dass seine Kräfte doch langsam nachliessen. Lauf weiter Sam! Sagte eine Stimme in seinem Hinterkopf. Lauf! Lauf! Sam spurtete weiter. Sprang über Hindernisse, stolperte um Ecken herum einfach immer weiter um möglichst viel Abstand zwischen sich und die tödliche Hitze hinter ihm zu bringen. Sam`s Lungen brannten, schrien nach Sauerstoff, nach einer Pause. Doch er bemühte sich, den Drang einfach stehenzubleiben zu ignorieren. Seine Beine liefen von alleine. Er musste sie nur noch lenken. Wieder drang ein Schrei an sein Ohr. Diesmal ging Sam das Risiko ein und drehte den Kopf nach hinten. Er sah, wie ein Mädchen am Boden lag und verzweifelt versuchte, sich aufzurappeln. Sam schaute wieder nach vorne bevor er mitansehen musste, wie die flammende, orange Welle das Mädchen verschluckte. Er rannte weiter, versuchte die qualvollen Schreie hinter sich zu ignorieren. Ständig hoffte er, dass er nicht irgendwann in einer Sackgasse landen würde. Sam hatte Angst. Angst vor dem Feuer, Angst vor der Hitze, Angst zu verbrennen, Angst vor dem Tod. Langsam aber sicher vernebelte der Rauch ihm die Sicht. Sam versuchte so wenig wie möglich davon einzuatmen aber es war zu spät. Er stolperte hustend weiter. Die Schreie hinter ihm wurden immer schlimmer. Sam spürte die Hitze des Feuers die immer näher kam. Er wollte stehenbleiben, einfach alles vergessen, aber seine Instinkte trieben ihn voran. Vor ihm rannte nur noch ein Mädchen mit langem, gewelltem Haar, das im Licht des Feuers dunkelrot schien. Es war nicht irgendein Mädchen. Es war Katie. Er kannte Katie seit er ein kleines Kind war. Sie war seine Nachbarin gewesen, bevor sie vor drei Jahren umgezogen war. Trotz seiner Angst wusste Sam, er würde zurückbleiben. Falls es Katie retten konnte würde er stehenbleiben. Es war schon immer so gewesen. Er hatte ihr geschworen, dass er sie immer verteidigen würde. Und bis jetzt hatte er sein Wort gehalten. Er hatte andere verprügelt, wenn sie ihr zu nahe kamen. Und so würde es immer bleiben. Für Katie wäre er durch die Hölle gegangen.
Einen Moment lang drehte sie den Kopf und blickte Sam an. „Lauf Katie! Lauf! Ich komme schon klar, lauf!“, brüllte er. Katie nickte, warf ihm einen letzten traurigen Blick zu, und lief weiter. Sam versuchte immer noch, zu rennen aber sein Husten wurde stärker, seine Augen brannten und seine Kräfte schwanden mehr und mehr. Hinter ihm liefen noch einige wenige Menschen die immer noch hofften, dem Feuer zu entkommen. Die Schreie wurden immer weniger. Schliesslich stand nur noch Sam da, er stolperte weiter so gut es ging, aber seine Beine wurden immer langsamer, die Hitze immer unerträglicher. Ihm wurde schwarz vor Augen. Das Tosen der Welle aus Feuer wurde leiser bis es schliesslich ganz verschwand. Sam konnte nichts mehr hören bis auf ein dumpfes BumBum. Er wusste, er war der Nächste den das Feuer verschlingen wollte. Sam hatte keine Ahnung ob er überhaupt noch lebte. Und wenn schon, rannte er noch? Oder war er hingefallen und wartete auf das Feuer das ihn verschlingen wollte? Plötzlich lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Alles wurde kalt. Die Hitze verschwand und Sam wurde wieder klar im Kopf. Er öffnete die Augen, konnte aber nichts sehen. Er wandte den Kopf nach oben. über ihm tobte eine orange, flammende Welle. Sam`s Lungen meldeten sich wieder. Sie schrien nach Sauerstoff. Er bewegte seine Arme und Beine um nach oben zu gelangen. Aus dem Wasser. Doch eine Hand umklammerte sein Handgelenk
und zerrte ihn zurück. Vor sich nahm Sam verschwommen die Umrisse eines Menschen wahr. Aber seine Lungen brauchten Sauerstoff! Sonst würde er ertrinken. Plötzlich fühlte er wie etwas auf seine Lippen gepresst wurde. Er öffnete den Mund leicht und spürte wieder neues Leben in sich. Alles wurde wieder klarer und er erkannte die verschwommene Gestalt vor sich. Es war Katie! Sam konnte nicht anders, er zog sie zu sich heran und drückte sie! Er hatte geschworen, immer für sie da zu sein. Jetzt war es umgekehrt und sie war für ihn dagewesen als er sie am meisten gebraucht hatte. Einige Sekunden blieben sie still. Dann wandte Katie den Kopf nach oben. Sam tat es ihr gleich. Das Feuer war schwächer geworden. Wahrscheinlich war die Feuerwehr am Werk. Noch einige Sekunden versuchten sie, sich nicht zu bewegen. Doch dann, ging beiden die Luft aus und sie mussten nach oben an die Wasseroberfläche. Sam atmete Rauch ein und hustete. Katie erging es nicht besser.

… das Ende der Geschichte kannst Du im Bleiwiis-Buch 2013 nachlesen.