Alexandra Benz – Gefährliches Hobby

bleiwiis 2014 – Anerkennungspreis Kat. 1

Es ist dunkel, feucht und dreckig. Nicht gerade der schönste Ort um eine Nacht zu verbringen, aber es gibt auch Schlimmeres. Am schönsten ist es, wenn man die perfekte Begleitung dabei hat um in einem U- Bahn Tunnel herumzulaufen, fast schon romantisch, denkt sich denkt sich Tom mit einem Hauch von Sarkasmus und wirft einen Blick über seine Schulter. Hinter ihm trottet Mike, der seinen Kopf gesenkt hält und ängstlich auf die Schienen starrt. Mike ist ein kleiner, eher ängstlicher, sechzehn jähriger Junge, von rundlicher Statur mit braunem Haar. Intelligenz zählt definitiv nicht zu seinen Stärken und er ist bekannt dafür, nervige Fragen zu stellen. „Was ist, wenn der Zug zu früh kommt?“, fragt Mike. „Dann wirst du überfahren“, erwidert Tom genervt. Mike schaut ihn vorwurfsvoll an und fängt an schneller zu laufen. Tom ist hochgewachsen, dünn und unscheinbar, was ihm sehr gelegen kommt. Denn mit seinen gerade mal 15 Jahren gilt seine spezielle Leidenschaft den Graffitis. Als er kürzlich mitten in der Nacht dabei war, einen alten Zugwagon zu verschönern, wurde er von hinten angesprochen.
„Du hast Talent.“ Erschrocken drehte sich Tom um. Vor ihm standen zwielichtige Gestalten, die sich als Ben, Mike, Bob und Finn vorstellten. Alle von kräftiger Statur und nicht sehr klug, der einzig intelligente von ihnen war Finn. „Möchtest du zu unserer Gang gehören?“, fragte Finn. „Dein Talent könnten wir gut gebrauchen“. Rückblickend betrachtet veränderte diese Begegnung sein Leben massgeblich. Denn um sich den Respekt der anderen zu verschaffen, versuchte jeder die schwierigste Mutprobe zu absolvieren. Je krasser, desto besser. Darin waren sie sich einig. Heute Nacht müssen sie sich in einen U-Bahn Tunnel begeben und dann ein Graffiti sprayen. Das Schwierige daran: Sie haben genau zwölf Minuten zur Verfügung bis der nächste Zug kommt, soweit der Plan. „Wie viel?“, fragt Tom. „Wieviel was?“, antwortet Mike, der nervös seine Taschenlampe herumschwenkt. Tom verdreht aufgrund der erbarmungslosen Dämlichkeit von Mike die Augen. „Die Zeit!“. „Aha“, bemerkt Mike. „Neun Minuten“. Tom wirft seinen Rucksack auf den Boden und holt die Spraydosen hervor, dann macht er sich ans Werk.

… das Ende der Geschichte kannst Du im Bleiwiis-Buch 2014 nachlesen. Es erscheint im Frühling 2015.